Tandemgleitschirm
Independence Speed
von
Robert
Kleinwechter
Ich habe am 18. und 19. September 2003 endlich den Speed von Independence fliegen können.
Ich hatte 3 Flüge in den Dolomiten mit anspruchsvollen Startbedingungen und jeweils Landung am Sellapaß. Die Passagiere waren 2 Kletterer und ein Motorradfahrer, alle vorher noch nie geflogen und dem entsprechend inaktiv bei der Sache.
Vorab vielen Dank an die Firma Fly-Market die mir den Schirm 3 Wochen zum Testen überlassen hat!
Meine Erfahrungen im Tandemfliegen: über 6 Jahre regelmäßiges Fliegen mit mehreren Tandemschirmen, teilweise Streckenflüge. Die meisten Flüge hab ich jedoch auf meinem alten Perché Bigfoot (baugleich mit Aireas Fat Willie) absolviert.

Richtig geil bei starkem Wind. Der Schirm läßt sich sehr gut händeln.
Gern hätte ich den Schirm bei Nullwind getestet, jedoch hat es diesen einfach nicht gehabt. Bodenhandling bei ca. 5Km/h haben allerdings richtig Spaß gemacht und läßt vermuten das der Schirm auch unter widrigen Bedingungen, wie Null- oder leichtem Rückenwind sauber hochkommt.
Der Flügel zeigt schön an wo was abgeht. So richtig klar war mir nicht ob er nun von allein in die Thermik dreht oder nicht. Jedenfalls zeigt er beim Einfliegen in Aufwinde angenehmen Biß und ist. Die Kappe raschelt ein bißchen, was aber nach ein paar Minuten als gott- (oder Material-) gegeben hingenommen wird.
Eindrehen ist sehr einfach, legen sich die Passagiere mit ins Gurtzeug dreht der Schirm wirklich sehr flach und läßt sich angenehm steuern. Die Steuerdrücke sind für einen Tandem normal, nicht zu stark. Mit Trimmern wäre längeres Kurbeln noch einfacher und deutlich muskelschonender. Ich hatte nie ein unangenehmes Gefühl, weder in der Nähe der Dolomitenwände, noch in turbulenter Thermik.

Mag zwar effektiv sein, jedoch nicht mit Fußgängern als Passagier. Ich habe das Speedsystem mit Griffen betätigt, jedoch mangels Kraft nicht einmal ein Drittel des Weges geschafft. Trotzdem ging der Schirm ca. 8km/h schneller. Warum hier keine Trimmer verwendet werden ist mir schleierhaft. Es kann ja von der Technik her kein Problem sein.
Passagieren die das erste Mal fliegen ist nicht zuzumuten aktiv mitzumachen.
Eine Anbringung von Steigbügeln oder anderen Hilfen fällt für mich aus. Beim Tandemfliegen hat man eh schon einen Haufen Geraffel der zu händeln ist, jedes zusätzliche Problem was man sich aufhalst ist meines Erachtens nach unnötig.
Ich mußte in dem turbulenten Startbart über dem Col Rodella 3x einen Klapper parieren, 2x im Ansatz, 1x klappte der Schirm ca. ein Drittel ein. Gegenbremsen war einfach.Öffnungsverhalten problemlos.
ist einfach aber nicht sonderlich effektiv, außer man greift nach und zieht die geteilten A-Gurte bis auf Kniehöhe durch. Dafür hätten aber die Tragegurte länger sein müssen. Die Ohren ploppen nach dem loslassen sofort wieder auf.
Was mir definitiv fehlte ist eine B-Stall-Hilfe. So mußte ich einem Passagier dem es eh schon mulmig war eine Steilspirale zumuten, da es selbst mit angelegten Ohren nicht mehr runter ging. Über den B-Stall gibt es ja geteilte Meinungen, ich persönlich halte ihn für die magenschonendste Abstiegshilfe am Tandem.
Einfach einzuleiten, nach 2 Umdrehungen
war ich drin. Um höhere Sinkwerte als 10m/s zu erreichen
brauchts jedoch schon ziemlich viel Kraft.
Die Ausleitung sollte mindestens mit 2
Umdrehungen gemacht werden, nachdrücken des Schirms ist
unumgänglich soll er nicht vorschießen.
Bei Nullwind hätte ich den Schirm gern gelandet, wir hatten “leider” 10 bis 15 km/h Gegenwind. Das Ausflaren war problemlos.
Der Flügel ist schön zu fliegen und zu Händeln.
Start und Landung sind einfach.
Geschwindigkeitszunahme durch Speedsystem ist enorm
Klapper sind nicht unangenehm, öffnen unspektakulär
Unausgegorenes Speedsystem
Fehlende B-Stallhilfe
Ohren einklappen nicht so richtig effektiv.
Hier
und hier noch die
IGC-Files von 2 meiner Speed-Flüge.
Robert Kleinwechter
